Die Rolle des menschlichen WachstumshormonsDas Wachstumshormon spielt eine zentrale Rolle für den Wachstumsprozess und die Reife vom Kind zum Erwachsenen. Ausserdem reguliert es ein Leben lang eine Reihe von Stoffwechselprozessen. Ein Wachstumshormonmangel tritt auf, wenn die Hirnanhangdrüse nicht fähig ist, eine genügende Menge des Wachstumshormons zu produzieren oder auszuschütten.
Der Wachstumshormonmangel lässt sich in drei Kategorien einteilen:
Angeboren: Verursacht durch Probleme der Hirnanhangdrüse oder des Hypothalamus während der Entwicklung des Fötus
Erworben: Verursacht durch eine Schädigung der Hirnanhangdrüse oder des Hypothalamus durch einen Tumor, eine schwere Schädelverletzung oder eine Infektion, beispielsweise Meningitis oder Enzephalitis
Idiopathisch: Ohne erkennbare Ursache
Wachstumshormonmangel bei Kindern
Normalerweise regt das Wachstumshormon das Körperwachstum von Kindern an. Steht dieses Hormon nicht ausreichend zur Verfügung, wird dadurch die Wachstumsmöglichkeit des Körpers beeinträchtigt. Dies kann eine Reihe von Folgen haben:
Die Unfähigkeit des Körpers, ausreichend neue Proteine zum Muskelaufbau zu bilden, führt zu einer allgemeinen Schwäche und wirkt sich auf die Fähigkeit aus, Sport zu treiben
Die Stimulation der Produktion anderer Hormone bleibt aus, beispielsweise des insulinähnlichen Wachstumsfaktors (IGF-1), der besonders wichtig für das Knochenwachstum ist
Andere am Wachstum beteiligten Bereiche des Körpers erhalten nicht die erforderlichen Signale
Bei Kindern führt ein Wachstumshormonmangel zu Kleinwuchs, einer verzögerten Reifung und der Unfähigkeit, starke Knochen auszubilden. Außerdem kann das Gesicht einen kindlichen Ausdruck behalten und das Kind dick werden, insbesondere im Bauchbereich.
Je früher ein behandelbares Wachstumsproblem diagnostiziert wird, umso grösser sind die Chancen des Kindes, im Lauf der Kindheit eine normale Grösse zu erreichen und sein volles Wachstumspotenzial auszunutzen. In einer Gesellschaft, die betont, wie wünschenswert Grösse ist, haben Kinder, die klein für ihr Alter sind, mitunter Probleme, weil ihre Spielgefährten und Lehrer sie behandeln, als wären sie noch jünger und nicht nur kleiner.
Zu den weiteren, damit zusammenhängenden Wachstumsstörungen gehören:
Kleinwuchs bei der Geburt (SGA= Small for Gestational Age)
Säuglinge, die bei Geburt im Vergleich zu anderen Babys, die die gleiche Zeit im Mutterleib verbrachten, zu klein sind, wachsen normalerweise in den ersten Lebensmonaten besonders rasch; dank dieser ‘Aufholphase’ erreichen sie häufig bis zum zweiten Lebensjahr die gleiche Grösse wie normale Säuglinge. Ist dies nicht der Fall, kann eine zusätzliche Gabe des Wachstumshormons diesen Kindern helfen, eine normale Erwachsenengrösse zu erreichen.
Das Turner-Syndrom (TS)
Dieses nach dem Endokrinologen Dr. Henry Turner benannte Syndrom, der den Zustand erstmalig im Jahr 1938 beschrieb, wird durch einen Gendefektverursacht, der nur bei Mädchen auftritt. Die meisten Mädchen werden mit zwei weiblichen X-Chromosomen geboren; bei Mädchen, die mit dem Turner-Syndrom geboren werden, fehlt eines der X-Chromosome entweder ganz oder es ist verkümmert bzw. beschädigt. Das Turner-Syndrom kann Wachstumsstörungen und Kleinwuchs verursachen. Eine frühzeitige Wachstumshormontherapie kann nachweislich zu einem größeren Wachstum bei Mädchen mit Turner-Syndrom und auch zu einer höheren Endgrösse im Erwachsenenalter führen.